Explicit Content: Sex für Alle!

1. August 2017

Heute geht es um die schönste (Neben-) Sache der Welt. Und um Gleichberechtigung. Und darum, dass das Eine mit dem Anderen nicht vereinbar ist… Aber von vorn:

Lasst uns über Männer reden. Die Verlierer des 21ten Jahrhunderts. Auf einmal sollen sie nicht nur der Kerl mit dem Knüppel in der Hand sein, der die erlegte Beute in die Höhle schleppt. Nein, jetzt soll Mann das vegane Mahl im Thermomix zubereiten können und mit seiner Süßen nach dem Superfood noch Shopping Queen gucken. Gerne im Holzfällerhemd und mit Vollbart, wir wollen ja kein Weichei.

Aber wenigstens EINE Sache ist dem Mann geblieben:

Sex.

Wo und wann und mit wem er will. Er darf daten, er darf abschleppen- er darf sie alle haben… Tinder sei Dank. Aber HEY! Sag das mal einer Frau. Trotz sexueller Revolution der 69er & Freizügigkeit der 2000er, trotz Youporn auf dem Pausenhof und dem Hype von polyamoren Beziehungsmodellen, bei denen alles erlaubt ist, was gefällt:

Eine Frau, die sich nimmt, was sie will, ist (für viele) immer noch eine Schlampe.

 Wenn ein Mann einen One-Night-Stand hat, Liebe zu dritt macht oder mehrmals die Woche eine andere Frau datet, dann ist er entweder ein Hengst oder eine arme Seele, die eben noch auf der Suche nach der großen Liebe ist. “Lass ihn mal, der stößt sich die Hörner schon noch ab”.

Wenn aber eine Frau einen One-Night-Stand hat, Liebe zu dritt macht oder mehrmals die Woche einen anderen Mann datet, dann ist sie weder Hengst (bzw. Stute), noch eine arme Seele. Sondern eine Bitch.

 

 

Und warum ist das so? Wenn es nach meinen Kumpels geht, hat das einen ganz bestimmten, anatomisch leicht nachzuvollziehenden (bescheuerten) Grund:

Der „Liebesakt“ wird nämlich eingeteilt in die aktive Seite (=der Penetrierer) und die passive (=die Penetrierte). Der Mann dringt in die Frau ein, sie gibt sich ihm hin. Er bleibt ganz, sie öffnet sich. Er gibt, sie nimmt. Und je mehr jemand nimmt, desto mehr wird er bzw sie “benutzt”.

Eine These, die mich ZUM RASEN bringt.

Der Mann hat also einen Freifahrtschein, während die Frau am besten nicht über ihre sexuellen Fantasien, ihre Gelüste, ihre Affären spricht.

Auch die Medien sind uns keine große Hilfe: Filme, die eigentlich unseren Horizont erweitern sollen, verschlimmern das ganze eher noch. Der Mega-Abtörner: Charlotte Roches “Feuchtgebiete”. Niemals sexy, nur typisch deutsch mit Ausfluß, Hämorriden und ein bisschen Periode.

Lars von Triers „Nymphomaniac“ zeigt hingegen die Abgründe einer psychisch gestörten, sexsüchtigen Frau. Danach lehnt man sich zurück und ist ebenfalls bedient.

Fehlt nur noch diese “Shades of Grey”-Kacke. Ohne Worte. Die drei Bücher werden weltweit mehr als 100 Millionen Mal verkauft und verfilmt.

Himmel! Wieso gibt es denn keinen Film, der so mega erfolgreich ist und in dem eine Sadistin einen schönen Mann quält?

Weil es niemand kaufen würde.

Und warum? WEIL ES NICHT EXISTIERT.

Zumindest Offiziell.

 

 

Und wenn es existiert, dann nur bei wenigen aufgeschlossenen Frauen, die über den Dingen stehen. Denn was hält uns Frauen denn konkret davon ab, unsere Sexualität offen zu leben? Uns nicht zu schämen? Ganz einfach: Die Meinung von anderen Leuten.

Aber mal ehrlich: Darf meine sexuelle Ausrichtung und das Ausleben meine Person definieren?

Bin ich ein schlechter Mensch, wenn ich Sex mit wechselnden Partnern habe? Und wo ist die Grenze? Sind fünf Männer im Jahr viel oder 50? Wenn ich Sex bei Tageslicht möchte, mit Frauen, anal oder ob ich will, dass es mir jemand mit seinen Zehen macht-

WAS GEHT ES DIE ANDEREN AN?

Ich hab mir früher im Bus immer ausgemalt, wann die Person mir gegenüber wohl das letzte Mal Sex hatte. Und wie. Und mit wievielen. Einfach so, zum Zeitvertreib. Dabei habe ich die, die am grimmigsten schauten, in die schönsten Szenarien gesteckt. Den Mann im beigen Anzug zur Domina, die hochgeschlossene Dame in den Schoss einer liebevollen Frau.

Ganz ehrlich: Ich habe mir schon so oft in meinem Leben gedacht:

Ach Freunde, vögelt doch mal wieder, dann geht es Euch besser, Versprochen!

Aber nein. Die Konventionen verbieten uns, die geistige Schranke zu öffnen, die uns als Singles und auch als Paare zu einer bestimmten Auslegung unserer Sexualität zwingt. Wer es anders macht, wird erst verachtet- und dann beneidet.

 

Come on. Spielt es für mich denn irgendeine Rolle, mit wievielen Männern oder Frauen jemand im Bett war? Falls ja, sollte ich dringend mein Ego überdenken. Ich weiß noch, dass mir ein Bekannter im Club mal eine sehr sehr attraktive Frau vorgestellt hat- mit ein paar getuschelten “Infos”, die mich ABSOLUT NICHTS angingen:

“Die war schon mit XY im Bett, die hatte schon dies, die hatte schon das.

Die ist echt hardcore.”

Und ich dachte mir nur: „Dass Du mir das grad ernsthaft alles steckst, zeigt mir viel mehr einiges über DEINEN Charakter, als über ihren.“ Ich kenne besagte Frau mittlerweile seit fast 5 Jahren und wenn mich eines immer noch NULL interessiert, dann, was sie so im Bett macht. Sondern dass sie eine coole Socke ist, eine starke Frau, ein positiver Mensch, fleißig, intelligent, mitfühlend. Und scharf. SO WHAT?

Wer so voller Feuer ist, der darf’s auch sonst krachen lassen. So oft er will. Oder sie.

Sex für alle.

Leben und leben lassen.

Amen.

 

Ps: Sollte mich jemand für diesen Text enterben wollen: nur zu. 😉

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  • Steffi 5. August 2017 at 13:23

    Danke für diesen Text!! Du sprichst mir aus der Seele!

    Frauen sollten endlich so sein können wie Sie es wollen, wie sie sich wohl fühlen und für sich selbst als richtig empfinden und nicht so wie die Gesellschaft uns haben möchte…

    Liebe Grüße,
    Steffi

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