Gastbeitrag: NIE WIEDER DIÄT! #intuitivessen

3. September 2017

Wow. Mein letzter Beitrag zum Thema „Abnehmen“ hat für kräftig Furore gesorgt… Erstmal möchte ich mich für Eure vielen lieben Mails bedanken- Ihr habt mich wirklich gerührt. Unter allen Reaktionen aber gab es eine, der ich hier und heute einen eigenen Blogpost einräumen möchte. Meine Freundin Maike hat sich selbst jahrelang verbogen, Diäten ausprobiert, gesportelt, sich gegen ihre Kurven gewehrt. Was ihr Leben verändert hat, erzählt sie Euch heute selbst:

„Aaaaaaaaaahhhhhhhh!“

Das war meine erste Reaktion auf Deinen Post, Susi. Du weisst auch warum- und ich freue mich, dass Du mir die Chance gibst, es auch allen anderen zu erklären! Mir die Chance gibst, meine Gedanken und das, was ich seit ca. 9 Monaten lebe, auf „Papier“ zu bringen bzw. in die Welt hinauszuschreien! Danke dafür liebe Susi!

„Intuitives Essen?! Ja, das hört sich interessant an… vielleicht kann ich so endlich meine letzten 10 Kilos zur „Traumfigur“ loswerden!“ Das waren ehrlich gesagt meine ersten Gedanken, als ich vor einigen Monaten durch Zufall auf das Thema gestoßen bin.

„Kurz“ zu meiner Vorgeschichte: Meine ersten Abnehmversuche machte ich mit 17 Jahren. Damals wog ich bei einer Größe von 1,68 m 57 kg. Im Fitnessstudio war ich bereits mit 16 angemeldet, als ich endlich eigenes Geld verdiente. Ich kam nicht mit meiner Figur klar: ich hatte plötzlich Rundungen bekommen, d.h. Busen, Hüfte, Taille, mehr Hintern. Ich war vom Mädchen zur Frau geworden. Aber ich kam nicht mit mir klar. Ich dachte, ich bin zu dick. Ich muss abnehmen. So wie Britney Spears wollte ich aussehen… so nen tollen Bauch wie sie… ach fand ich sie toll!

 

 

So ging die ganze Scheiße (Sorry, aber besser kann ich’s nicht ausdrücken) los. Nach jeder Diät/Ernährungsumstellung, wie auch immer Ihr es nennen wollt (ich hab echt alles durch), wurden die Essanfälle schlimmer und mein Gewicht schraubte sich spiralförmig nach oben. Ich wurde immer unglücklicher und dachte, wenn ich doch nur endlich wieder 59 kg wiegen könnte, dann wär mein Leben wieder lebenswert, erfüllt, glücklich…

Aber ich scheiterte und scheiterte

Irgendwann saß ich heulend bei meinem Hausarzt (u.a. Ernährungsberater,) der mir, nachdem ich ihn darum gebeten hatte mir endlich beim Abnehmen zu helfen, eine Binge Eating Disorder attestierte und mich in eine Ambulante Therapie in einer psychosomatischen Klinik steckte. Soweit war ich nun gesunken. Im ersten Moment dachte ich: „Endlich, jetzt wird mir geholfen. Ich bin gar nicht selber schuld, ich bin krank. Und dafür kann ich ja schließlich nichts. Jetzt werde ich mein Idealgewicht erreichen.“

Mir wurde irgendwas von „Setpoint“ (Gewicht, zu dem der Körper immer wieder hin will, weil es genetisch veranlagt ist) erzählt und es wurde 6 Wochen versucht, mich zu heilen. Danach hatte ich mir zumindest geschworen: so lange ich lebe, will ich keine Diät mehr machen. Und dann fing ich an zu FRESSEN. Ich habe mir erlaubt, alles zu essen, aber ich habe regelmäßig nicht nur nach Hunger/Sättigung gegessen, sondern ich habe einen richtigen Trotz entwickelt. Dann habe ich mein Höchstgewicht erreicht. Da saß ich nun. Hatte zwar keine Essattacken mehr, aber ich habe mich regelmäßig bei den normalen Mahlzeiten überessen. Ich konnte mich nicht mehr sehen, ich schnaufte beim Treppen steigen wie ein Walroß.

Ich war aufgedunsen und so unglücklich. Also: Diät!

Von heut auf morgen meldete ich mich bei Weight Watchers online an und war guter Dinge. Nach einem Gewichtsverlust von ein paar Kilos wurde ich schwanger und die Gewichtsspirale ging noch weiter nach oben. Nach der Schwangerschaft ging’s mit Weight Watchers weiter und irgendwann war ich zumindest wieder auf 69 kg. Ich bekam Komplimente, kaufte ordentlich neue Klamotten und dachte: jetzt hab ich fast geschafft. Noch 5-10 kg dann passts wieder. Jetzt mach ich mal ne Weight Watchers Pause… aber bis ich schaute, hatte ich 3 kg wieder drauf und fing von vorne an. Dieses Kilo-Auf und -Ab ging dann ein Jahr und dann dachte ich mir, so kann’s nicht weiter gehen. Ich kann und will doch nicht mein ganzes Leben Weight Watchers machen. Außerdem war die Waage mein ständiger Begleiter. Sie war der Grund ob ich in der Früh gut drauf war oder der Tag schon wieder gelaufen war…

Intuitives Essen

Dann las ich Mitte Dezember 2016 in Facebook durch Zufall einen Beitrag übers intuitive Essen und bestellte mir sofort zwei Bücher zu dem Thema: Intuitiv abnehmen: Zurück zu natürlichem Essverhalten (das amerikanische Original ist das hier: Intuitive Eating: A Revolutionary Program That Works) und Food ’n‘ Love – Ich ess‘ dann mal normal: Sich ohne Diät und Ernährungszwänge besser fühlen von Moritz Warntjen.

Das zweite ist mein Leitfaden für mein neues Leben geworden. Es geht darum, die Waage ins Nirvana zu verbannen!

Es geht darum, nie mehr Diät zu machen!

Es geht darum, dem Körper genau das zu geben, was er braucht bzw. worauf man Lust hat und mit dem Essen aufzuhören, sobald man satt ist! Es geht darum, dass es die verschiedenste Körperformen auf der Welt gibt und 99% von uns einem Körperbild nacheifern, welches nur 1% der Weltbevölkerung von Natur aus hat. Das ist doch krank!!!

 

 

Wo sind wir da gelandet?? Wer sagt uns, was gesund oder ungesund ist? Die Medien? Die Lebensmittelindustrie? Die Arzneimittelindustrie? Die Diätindustrie?

Wann haben wir aufgehört, uns auf unseren Körper zu verlassen??

Wir stellen ja auch nicht in Frage, dass unser Körper nicht mehr weiß wann wir aufs Klo müssen oder??? Also warum gehen wir davon aus, dass unser Körper nicht weiß, was gut für ihn ist?

Ja, ich hör schon wieder die Stimmen die sagen: „Zucker ist Gift“, „Fett ist schlecht“, „verarbeitete Lebensmittel sind Selbstmord“ „Cleaneating ist das einzig Wahre“. Das hat die Diätindustrie wirklich super im Griff! Sie bringt immer wieder eine neue supertolle Ernährungsform auf den Markt und alle paar Jahre ist ein anderes Lebensmittel Gift oder krebserregend oder was weiß ich…

Bei mir hat intuitives Essen einen Stein ins Rollen gebracht. Ich versuche mich jetzt so zu akzeptieren, wie ich bin.

Ich bin gut so wie ich bin!

Ich will mich nicht mehr auf meine Figur reduzieren und reduzieren lassen! Was macht mich aus? Wer bin ich? Was hab ich für gute Eigenschaften? Was für schlechte? Ich habe meinen Kleiderschrank ausgemistet und alle Sachen rausgeschmissen, bei denen ich mir immer gedacht habe, dass ich da irgendwann nochmal reinpassen werde. Es war so befreiend! Und ich bin shoppen gegangen und zwar Sachen, die mir passen und in denen ich mich wohl fühle, egal was da für ’ne Größe drinsteht. In Sachen Sport mache ich nur noch das, was mir richtig Spaß macht. Ohne Druck und ohne Plan!

Komischerweise sprechen mich die Leute an ob ich abgenommen habe… was eine glückliche Ausstrahlung so ausmacht!

Ich liebe es zu essen, was mir schmeckt und was mir gut tut – ohne es nach gesund oder ungesund zu bewerten, oder gar nach Kalorien oder Punkten… Ich habe in den ersten Monaten, in denen ich mir wirklich alles erlaubt habe zu essen, ein paar Kilos wieder drauf gepackt. Aber die sind so unwichtig, wenn ich mein neu gewonnenes Lebensgefühl und meine Freiheit gegenüber stelle!

 

 

Und ich merke wie sich mein Essverhalten verändert hat. Ich esse ausgewogen in allen Lebensmittelsparten und werte nicht nach „gesund“ oder „ungesund“. Ich esse Süßigkeiten, Chips, einfach alles, wenn ich Lust drauf hab und plötzlich mache ich die Packung Chips nach ein paar Chips wieder zu, ich packe die zweite Hälfte vom Twix wieder in den Kühlschrank, ich habe die ganze Speisekammer voller Süßkram und es juckt mich nicht. Ich denke nicht mehr ständig übers Essen nach. Es dreht sich nicht mehr meine Welt darum.

Essen ist einfach NORMAL geworden

Es ist, was es ist… Ernährung und manchmal auch Genuß. Essen ernährt meinen tollen Körper, der mir das ermöglicht zu tun, worauf ich Lust habe! Ich hatte noch nie so viel Energie und bin weniger müde. Ich gebe meinem Körper, was er braucht.

Aber es braucht alles Zeit. Es geht nicht von heute auf morgen, wenn man die Hälfte seines Lebens damit verbracht hat, Diäten zu machen. Der Körper weiß ja nicht, dass man nicht morgen wieder mit der nächsten „Ernährungsumstellung“ anfängt. Und auch ich habe meine schlechten Tage und doofe Gedanken, aber ich bin auf einem guten Weg.

Leute ich kann euch nur eins sagen:

Schmeißt eure verdammten Waagen aus dem Fenster und fangt an eurem Körper wieder zu vertrauen, so wie ihr das als Kinder getan habt!

Schluss mit Bodyshaming! Hört auf die Leute und euch selber auf eure Figuren zu reduzieren! Fangt an zu Leben!!! Wir sind schön so wie wir sind!

RIOTS NOT DIETS

Hell Yeah!!!!

Maike

 

 

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