#Teamtall: Bloggerin Caroline von Lipödem Mode

2. Januar 2018

Genau das ist es, was mir an meinem Blog am meisten Spaß macht: neue Menschen kennen zu lernen, egal ob Leser oder Blogger. Die Verbindungen, die durch groessenwahn schon entstanden sind, sind so voller Respekt und immer auf Augenhöhe. Es ist wie ein stilles Band, ein Einvernehmen. Und genau so ging es mir, als ich das erste Mal Bilder von Blogger-Kollegin Caroline gesehen hab. Sie ist nicht nur hübsch, sondern auch 1,81m groß, was meine Aufmerksamkeit weiter auf sie zog…

irgendwie fühlte ich mich mit ihr verbunden.

 

 

Caroline ist 28 Jahre alt und kommt aus Wetzlar, Mittelhessen. Hauptberuflich arbeitet sie als Mediengestalterin und vor einigen Jahren hat sie ihren eigenen Blog gegründet:

 

 

Liebe Caroline, Du hast Lipödem Mode ins Leben gerufen. Worum geht es da?

Mode ist meine Therapie. Ich habe die Seite 2015 gegründet, weil ich durch die Krankheit Lipödem jeden Tag Kompressionsbestrumpfung an Beinen und Armen tragen muss. Lipödem ist eine schmerzhafte Fettverteilungsstörung, die durch Sport oder Diät nicht behoben werden kann. Die Krankenkassen bezahlen nur regulär zwei, wenn man Glück hat vier, Kompressionsversorgungen pro Jahr. Das bedeutet, man muss sich auch für zwei Farben entscheiden, die einen jeweils ein halbes Jahr durch den Kleiderschrank begleiten.

Als ich gemerkt hatte, dass das Lipödem nicht nur meine Beine, sondern auch meine Arme betraf, war ich so sehr am Boden zerstört, dass ich mir etwas suchen musste, was mich vor einem großen Loch bewahren konnte. Etwas, dass mir ein paar gute Momente am Tag bescherte. Und so fing ich an, die Kompressionen farblich auf meine Outfits abzustimmen und diese Kombinationen immer mehr zu als spielerische Herausforderung anzusehen. Und wenn mir ein guter Look geglückt ist, hat mich das für den Rest des Tages ein gutes Gefühl gegeben und so ganz nebenbei geholfen, eine positive Perspektive auf die doch gewöhnungsbedürftigen Kompressionsbestrumpfungen zu bekommen.

 

 

 

Wieviele Frauen sind vom Lipödem schätzungsweise betroffen?

Man schätzt, dass jede 10. Frau in Deutschland vom Lipödem betroffen ist. Die meisten wissen wahrscheinlich nicht, dass ihre Schmerzen oder Verformungen an den Extremitäten mit einer Krankheit einhergehen. Aber immer mehr Betroffene engagieren sich, mehr auf die Krankheit aufmerksam zu machen.

 

Du hattest drei OPs und hast über 30 Kilo abgenommen. Kannst Du uns darüber mehr erzählen?

Als ich in der absoluten Sackgasse gelandet war und jenseits der Schmerz- und Belastungsgrenze lebte, haben mein Mann und ich den Entschluss gefasst, nicht in die Flitterwochen zu fahren, sondern das Geld und einen Kredit in drei Liposuktionen zu investieren. Leider bezahlen die Krankenkassen diese Eingriffe nur im Einzelfall oder nach Gerichtsverfahren.

Ich konnte kaum noch länger als eine Stunde im Auto oder im Zug sitzen und ich spürte, wie sich eine Schlinge um meine Lebensqualität enger zog und das mit frischen 26. Ich hatte keine Kraft mehr, mir die Liposuktionen zu erstreiten und so entschieden wir uns für eine rasche Lösung.

Die 30 Kilo nahm ich zum größten Teil vor den OPs ab. Durch den ganz altbewährten Weg: Kaloriendefizit und Sport. Nach meiner ersten Reha fing ich an zu Joggen und möchte jetzt nach drei Jahren der Übung meinen ersten Halbmarathon absolvieren. Ich glaube, das Laufen hat mir geholfen, meine sportliche Seite und vor allem den Mut zur Bewegung in der Öffentlichkeit wiederzufinden.

Noch gute 15 Kilo können bis zum Normalgewicht runter und das ist mein Ziel. Einmal in meinem Leben wieder Normalgewicht zu haben.

 

 

Wie stehst Du zu Deiner Größe? Warst Du immer glücklich damit?

Ich glaube, die Teenagerzeit war die schlimmste. Ich war es leid, immer die größere von allen zu sein und es hat auch deutlich zu lange gedauert, bis die Jungs mich endlich einholten und zum Teil auch auf Augenhöhe gelangten. Vor allem, wenn es auch so langsam um den ersten Freund gehen sollte, habe ich mich oft kleiner gemacht, um nicht so viel größer, als mein Freund zu sein. Aber ich habe bzgl. der Körpergrößenunterschiede mich nie von einer möglichen Beziehung gedanklich abbringen lassen.

Nachdem ich jedoch einen schmerzhaften Korb von einem Schwarm bekam, nicht zuletzt auf Grund meiner Körpergröße, nahm ich mir ein Herz und suchte im Internet nach anderen großen Menschen. Und da traf ich auf ein Online-Portal, wo es für Frauen erst ab 1,80 m und für Männer ab 1,90 m losging. Ich war im Paradies! Und vor allem geheilt. Denn auf einmal war ich die kleinste von allen und manche können wahrscheinlich nicht nachvollziehen, ws für eine Wohltat das sein kann.

Dort habe ich auch meinen Mann kennengelernt.

 

 

Was sagst Du zu dem Trend „Body Positivity“?

Grundsätzlich ist das ein unheimlich wichtiges Thema. Denn das Leben ist zu kurz, um im Krieg mit sich selbst zu stehen. Ein gesundes Körpergefühl zu entwickeln ist jedoch nicht so einfach. Es ist nichts, worüber man einfach ein Buch liest und dann hat man es. Da muss sehr viel im eigenen Kopf passieren und auch aus dem Umfeld weichen oder einen inspirieren. Dafür trägt die Body Positivity Bewegung hoffentlich bei. Je mehr auf diesen Missstand aufmerksam machen, desto mehr Stärke findet man vielleicht in der Gemeinschaft. Es tut immer gut zu wissen, dass man nicht alleine damit ist. Denn wie viele blöde Sprüche muss man sich anhören, nur weil man nicht einer vermeintlichen Norm entspricht.

Das soziale Umfeld ähnelt ein wenig den Social Media Kanälen. Irgendwie schallt die Kritik immer lauter, als das Lob. Ich denke, dass so manche Unsicherheit gar nicht genährt werden würde, wenn sich die Menschen untereinander positiver bestärken, als dekonstruktive Kritik aneinander auszuüben.

 

Zu guter Letzt: Was würdest Du anderen großen Frauen gerne sagen?

Das Leben ist so unheimlich kurz und wertvoll, nutzt jede Sekunde davon für gute Momente, erfüllende Arbeit und dem Ziel, am Ende zufrieden zurückblicken zu können.

Tut alles dafür, ein positives Leben zu führen und im Frieden mit euch selbst zu sein. Wenn euch etwas daran hindert, ist es immer es wert, sich dem Problem zu stellen und einen Weg zu finden, es ins Positive zu kehren. Erlebt Sachen, die euch glücklich machen!

Wenn ihr ein positiver Mensch seid und euch auch gut mit eurem so starken Körper stellt, der euch tagtäglich trotz Krankheiten, Handicaps oder Sonderheiten durch Leben trägt, dann sind die #Bodyshamer am Ende des Tages die Verlierer.

Karma is a bitch 😉

 

 

Und, hab ich zuviel versprochen? Ich finde Dich einfach großartig, Caroline!

Menschen wie Du machen die Welt bunter, im wahrsten Sinne des Wortes! Ja, es braucht Mut, sich hinzustellen, sich zu offenbaren und damit auch angreifbar zu machen. Aber Du hilfst mit Deinem Blog Tausenden von Frauen, die ebenfalls unter einem Lipödem leiden. Und das find ich einfach fantastisch!

 

Ps: Ihr findet Caroline auch toll? Dann lest, mit welch einem wunderbaren Exemplar Mann sie zusammen ist. Ein so schöner Artikel!

Das Lipödem in der Beziehung: Meine Frau, Caroline

 

 

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  • Martina 3. Januar 2018 at 9:26

    Wow, was für eine tolle Frau!!!

    • groessenwahn 3. Januar 2018 at 16:05

      Ja, nicht wahr?! Ach Martina, auf iDch ist Verlaß! Busserl!

    • groessenwahn 3. Januar 2018 at 16:05

      Ja, nicht wahr?! Ach Martina, auf Dich ist Verlaß! Busserl!

  • Ilka 4. Januar 2018 at 17:38

    Beindruckend. Und chic!
    Vermutlich werden die meisten Kompressionssachen in “hautfarben” verkauft.
    Lieben Gruß
    Ilka

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