Ich war Deine Rose.

19. November 2017

Ich war Deine Rose.
Du fandest mich durch Zufall. Fandest mich jung, schön, faszinierend.
Du wolltest mich haben und so hast du mich herausgerissen. Obwohl schon einige Vasen mit welken Blumen in deinem Apartment standen.
Du hast mich angebetet.
Doch mit der Zeit veränderte ich mich.
Ich fühlte mich nicht wohl in dieser Vase. Ich wollte mal mehr Wasser, mal weniger, dann war es zu dunkel oder zu hell.
Das war Dir zuviel.
Du wolltest einfach wieder die schöne Blume.
Aber Du konntest Dich gar nicht erinnern, wo Du sie gepflückt hattest.
Deshalb hörtest Du auf, mich zu beachten.
Ab und zu sahst Du mich noch an.
Versuchtest, mir neues Wasser zu geben. Stelltest mich in die andere Ecke des Zimmers.
Aber die erste Blüte, sie kam nicht zurück.

Und mit jedem Tag wurde das Wasser weniger.
Irgendwann schenktest Du kein frisches Wasser mehr nach.
Dir wurde es egal, was mit mir passierte.
Und ich ging ein.

Jeden Tag ein bisschen mehr.

Bis sich eines Tages jemand zu uns verirrte. Mich ansah.
Ich wusste selbst nicht, warum.
Schön war ich nicht mehr. Ich wusste auch nicht, ob ich jemals würde wieder blühen können.
Aber er hatte Geduld.

Er brachte mich in seinen Garten. Nicht wieder in eine Vase.

Er pflanzte mich ein. Probierte verschiedene Böden, gab mir Sonne und Schatten und bestes Wasser. Und er sprach jeden Tag mit mir.

Ich erblühte wieder.
Dafür hasst Du mich heute noch.
Wirst Du nie verstehen, dass Du mich fast hast vertrocknen lassen?

Ich blühe weiter.
Ohne Dich.
Und das Gute ist: ich vergesse die Phasen der Trockenheit, der Überflutung, der vielen Schatten und des grellen Lichts.
Weil ich gepflegt werde. Weil ich mich entfalten darf. Selbst meine Dornen dürfen wachsen.

Ich werde geliebt, nicht für meine Schönheit und mein Gehorsam, in der Vase gut auszusehen.
Sondern weil er sehen will, wie ich mich entwickle. Wie die Blüte ist, im Frühjahr. Wie ich verwelke und alte Blüten abwerfe, im Winter.
Er ist an meiner Seite.

Mit Dünger. Mit Liebe. Mit einem Schirm, wenn es zuviel regnet, mit einem Schutz gegen pralle Sonne.
Ich bin so froh, dass er mich mitgenommen hat, bevor es zu spät war.
Leb wohl.

Deine Rose.

 

 

3 Comments

  • Reply Franzi 19. November 2017 at 21:24

    Wow toller Text

  • Reply groessenwahn 20. November 2017 at 5:55

    Danke Dir! <3

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