KINOTIPP: Die Verlegerin

19. Februar 2018

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Heute spielen wir ein Spiel.

Stell Dir vor, Du lebst Anfang der 60er Jahre in Amerika. 

Dein Name: Katherine (Kay) Graham. Du bist Hausfrau und Mutter von vier Kindern. Dein Ehemann ist Medienunternehmer, der zusammen mit Deinem Vater die “Washington Post” leitet.

Im Jahr 1963 nimmt sich dein Mann sich das Leben und lässt Dich mit euren Kindern alleine zurück. Doch damit nicht genug:  nach seinem Selbstmord übernimmst Du außerdem seinen Posten, also die Leitung eines der größten Verlagshäuser Amerikas.

Ohne jede Erfahrung wirst Du zur ersten weiblichen Verlegerin in der Zeitungsgeschichte. Das Unternehmen soll an die Börse- mit Dir als Neuling und Entscheiderin. Und mitten in dieser ohnehin schwierigen Situation wirst Du mit einem gigantischen Vertuschungsskandal im Weißen Haus konfrontiert, in den allein vier US-Präsidenten verwickelt sind.

Und alles, was Du weißt, ist: Kneifen gilt nicht.

 

Meryl Streep als Kay Graham- Photo: Niko Tavernise

 

Klingt aufregend? Ja, und vor allem ist es eine wahre Geschichte. Und die Verfilmung läuft in wenigen Tagen in den deutschen Kinos an:

Die Verlegerin

Kein geringerer als der vielfache Oscar-Preisträger und Regisseur Steven Spielberg hat zusammen mit den Hollywood Superstars Meryl Streep und Tom Hanks einen großartigen Thriller geschaffen:

Die Veröffentlichung der geheimen „Pentagon-Papiere” zählt neben der Watergate-Affäre zu den größten Politskandalen der USA. Die Washington Post und die New York Times gingen damals ein pragmatisches Bündnis ein. Zwar konnte die Times den Knüller für sich verbuchen, doch die Post griff die Story auf, als die Times mit der Androhung rechtlicher Schritte von Seiten der Regierung konfrontiert wurde.

 

 

Katherine Graham musste sich Anfang der 70er Jahre also entscheiden: rettet sie sich (immerhin eine Vierfach-Mutter mit viel Verantwortung) und ihre Mitarbeiter vor der Anklage des Hochverrats und schweigt. Oder klärt sie Millionen von Bürgern auf und rettet Tausende Soldaten vor dem Tod.

Was sind die Pentagon Papiere?

 (Quelle: Wikipedia)

Die Pentagon-Papiere (United States-Vietnam Relations, 1945–1967: A Study Prepared by the Department of Defense, kurz Pentagon Papers) sind ein ehemals geheimes Dokument des US-Verteidigungsministeriums. Die partielle Veröffentlichung der Pentagon-Papiere 1971 durch die New York Times deckte eine Desinformation der US-amerikanischen Öffentlichkeit in Bezug auf den Vietnamkrieg auf. Die Bevölkerung erfuhr, dass entgegen Beteuerungen beteiligter Präsidenten der Krieg schon vor dem offiziellen Eingreifen geplant war im Rahmen der Bekämpfung des Kommunismus.

 

Tom Hanks als Ben Bradlee, Photo: Niko Tavernise

 

Neben einer starken Meryl Streep steht ein getriebener Tom Hanks, ein Vollblutjournalist, der zu keiner Sekunde an der Wichtigkeit der Veröffentlichung der Pentagon Papiere zweifelt.

Ich kann beide Seiten so gut nachvollziehen- als Frau und Mutter, aber auch als Journalistin. Denn objektiv gesehen wiegt natürlich das Wohl einer ganzen Nation schwerer, subjektiv gesehen hat Katherine Graham die Verantwortung für sich, ihre Kinder und ihre Mitarbeiter. Bei einer Verurteilung stünde nicht nur das Unternehmen ihres Vaters vor dem Ruin- ihre Familie würde auch das einzige verbliebene Oberhaupt und damit den Schutz verlieren. Eine Gefängnisstrafe und die damit verbundene Trennung von den Kindern ist das Schlimmste, was einer Mutter passieren kann.

Als Journalistin gibt es andererseits eine Verpflichtung- einen Ehrenkodex. Und der stellt das Wohl der Allgemeinheit auf Platz 1 der Prioritätenliste.

 

Meryl Streep, Steven Spielberg und Tom Hanks; Photo: Niko Tavernise

 

Die Produktion ist übrigens auch für den Oscar nominiert, als Bester Film und Meryl Streep als Beste Hauptdarstellerin.

Wenn Ihr Euch Euer eigenes Bild machen wollt:

 Die Verlegerin

– ab 22. Februar 2018 im Kino!

 

 

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